Chronik des K.St.V. Alania-Breslau
zu Aachen im KV


1933 - 1945

30. 01. 1933

Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler. Sogenannte "Machtergreifung".

28. 02. 1933

Nach dem Brand des Reichstagsgebäudes am Abend des Vortages unterzeichnet von Hindenburg die "Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat", mit der die Grundrechte außer Kraft gesetzt werden.

SS 1933

Zu Beginn des Sommersemesters gilt an den Hochschulen das neue Studentenrecht. An die Stelle des AStA tritt die "Bündische Kammer", in der nur der NS-Studentenbund (NSDStB) und die Korporationen Sitz und Stimme haben. Nun bestimmt ein Studentenführer in alleiniger Verantwortung, welche Arbeiten in der Studentenschaft während des Semesters durchgeführt werden müssen.

22. 04. 1933

Das "Reichsgesetz zur Bildung von Studentenschaften" wird erlassen. Zum Zweck der politischen Schulung sollen die beiden ersten Semester in sogenannten Wohnkameradschaften in Kameradschaftshäusern wohnen.

07. 05. 1933

Es ergeht die Anweisung durch den VOP des KV, dass jeder ortsansässige Aktive am Wehrsport teilnehmen soll, bei der SA, beim Stahlhelm oder auch bei der SS.

17.-18. 06. 1933

Zum 28. Stiftungsfest zählt die Aktivitas 86 Mitglieder: 6 Füchse, 13 aktive Burschen, 20 ortsansässige inaktive Burschen und 47 auswärtige inaktive Burschen.
Eigentlich Selbstverständliches wird erstmals in einem Semesterbericht festgehalten: Die Aktiven nehmen am Antritts- und Schlußgottesdienst, an der Maiandacht, am akademischen Missionsgottesdienst und an der Fronleich- namsprozession teil.
Im Schwarzen Brett der AMs heißt es dann weiter: "An einem politischen Ausspracheabend unter Leitung des Philisterseniors AH Syndikus Dr. Scholz bekannte sich die Korporation zu den großen Aufgaben, die ihr in religiöser, nationaler und sozialer Hinsicht im neuen Deutschland gestellt sind. Sie ordnet sich bewußt in die Gesamtheit aller aufbauwilligen Kräfte der Nation ein. 12 BbBb gehören der SA an. Die übrigen Bundesbrüder beteiligen sich in 5 Wochenstunden am Wehrsport."

08. 07. 1933

Der Führer der Deutschen Studentenschaft (DSt) bestellt den VOP des KV, Dr. Konstantin Hank, zum Verbandsführer des KV.
Die DSt ist die öffentlich-rechtlichen Vertretung der Studenten und wird seit 1931 von Nationalsozialisten geführt.

22. 07. 1933

Auf Anweisung des Verbandsführers des KV muss anstelle des demokratischen Konventsprinzips für alle Korporationen das Führerprinzip eingeführt werden. Dazu vermerkt im September 1933 das Schwarze Brett in den Akademischen Monatsblättern:
"An der Spitze jedes Kartellvereins steht in Zukunft ein dem Verbandsführer verantwortlicher Korporationsführer, der die Leitung der Altherrenschaft wie der Aktivitas inne hat."
Der jeweilige Korporationsführer muss vom Verbandsführer bestätigt werden. Durch diesen Korporationsführer wird der von der Aktivitas gewählte Senior in eine untergeordnete Stellung gedrängt, so dass er schon bald keinerlei Befugnisse mehr hat. Das Ziel dieser Verfügung ist die Gleichschaltung der studentischen Vereine und des einzelnen Studenten. Übernommen werden müssen ebenfalls das großdeutsch-völkische, das arische und das Wehrprinzip.

Studenten, die in eine Korporation aufgenommen werden möchten, müssen den sogenannten "Ariernachweis" erbringen. Es erfolgt dabei eine Prüfung der arischen Abstammung auf drei Generationen zurück.

03. 09. 1933

Auf Druck der Partei beschließen die Verbandsführer des KV und des farben- tragenden Rings Katholischer Deutscher Burschenschaften (RKDB) die Vereinigung beider Verbände zum Kartellverband der Katholischen Verbindungen (KB).
Mit dieser angeordneten Vereinigung strebt die NSDAP ebenfalls eine bessere Kontrolle über die Korporationen an.

11. 10. 1933

Nach einem Erlass müssen nun alle Korporationen Wohnkameradschaften einrichten, in denen die Studenten kasernenmäßig untergebracht werden können.

1934

Die Korporationen in Breslau sind in der "Gemeinschaft studentischer Verbände Breslaus" zusammengefasst.

20. 01. 1934

Der Kartellverband der katholischen Verbindungen (KB) wird dem Reichsführer der Deutschen Studentenschaft (DSt) unterstellt. Der Reichsführer der Deutschen Studentenschaft bestätigt und beruft die Führer der Verbände.

31. 01. 1934

Auf Anordnung des Verbandsführers muss der Kartellverband der katholischen Verbindungen (KB) das Prinzip "religio" aufgeben.

17.-18.02. 1934

Auf dem Führertag in Stuttgart wird der KB in "Kartellverband deutscher burschenschaftlicher Verbindungen" (KV) umbenannt.
Die Prinzipien sind: Gott, Volk, Reich. Der Wahlspruch lautet: "Mit Gott für deutsche Ehre."

21. 03. 1934

Durch den Zwang, bis zum Beginn des Sommersemesters Wohnkamerad- schaften einrichten zu müssen, wird die Situation für alle Korporationen sehr schwierig, die nicht über geeignete Räumlichkeiten verfügen.

Um Alania möglichst lange als (katholische) Korporation zu erhalten, kommen im Alanenheim 22 Alte Herren unter der Leitung des Philisterseniors Willy Scholz zusammen, um über die ernste Lage zu beraten.

Unitas besitzt ein eigenes Haus und Franko-Borussia kann in der von ihr bewohnten Etage die geforderte Wohnkameradschaft einrichten.
Schwierig ist es jedoch für die beiden zahlenmäßig kleineren Vereine Franko-Silesia (ca. 40 AHAH) und Zollern (ca. 60 AHAH). Auch das Alanenheim eignet sich nicht für die Einrichtung einer Wohngemeinschaft.

Trotz intensiver Suche können Alania (ca. 150 AHAH) und Zollern keine geeignete Wohnung finden, weshalb die Verhandlungen über eine Zusammenlegung der beiden Korporationen ins Stocken geraten. Da bietet Franko-Silesia an, ihr Heim für alle drei Vereine als Wohnkameradschaft zur Verfügung zu stellen.

21. 04. 1934

Aktive und Alte Herren der drei Vereine kommen zu einer Besprechung zusammen, in der sich Alania, Franko-Silesia und Zollern zu einer größeren Korporation zusammen- schließen.

Die Namensfindung für die neue Korporation bereitet zunächst große Probleme.
Um den Anschein einer Neugründung zu vermeiden, und um möglichen Schwierigkeiten mit den Hochschulbehörden aus dem Wege zu gehen, darf kein neuer Name oder eine Kombination aus den alten gewählt werden. Es muss daher einer der drei bestehenden Namen ausgewählt werden.
Franko-Silesia als jüngster Verein verzichtet auf ihren Namen. Schließlich einigt man sich darauf, dass die neue Korporation den Namen des ältesten und zahlenmäßig stärksten Vereins übernimmt und sich von nun an D.B.V. Alania (Deutsche Burschenschaftliche Verbindung Alania) nennt .
Die Kosten für die Ausstattung der Wohnkameradschaft werden von den drei Philistervereinen getragen.
Die Alanenetage in der Salzstraße muss samt Einrichtung aufgegeben werden. Ebenso muss Zollern sein Heim aufgeben.

Franko-Silesia besitzt in der Altbüßerstraße 10/12 eine sehr große Etagenwohnung, die sogar einzelne Wohnräume hat und nun mit gestifteten Möbeln und Büchern gemäß den Anforderungen als Wohnkameradschafts- heim (Zimmer für mehrere Studenten mit Etagenbetten und Spinden etc.) eingerichtet werden kann.

Hier müssen nun die ersten Semester zusammen wohnen, ihre Mahlzeiten einnehmen und unter der Anleitung eines älteren Bundesbruders einen gemeinsamen Tagesablauf absolvieren, u.a. mit Frühsport, Wehrerziehung und politischer Schulung.
Es ist sogar geplant, den Kameradschaftsangehörigen eine besondere Tracht zu verordnen: schwarze Hose, Braunhemd und graue Jacke.

SS 1934

Noch ist aber bei Unterrichtung des NSDStB möglich, freiwillig an der Fronleichnamsprozession teilzunehmen und sogar zu chargieren.

02. 08. 1934

Reichspräsident von Hindenburg stirbt. Hitler macht sich als "Führer und Reichskanzler" zum Staatsoberhaupt.

01. 10. 1934

Alle Korporationen, die bis zu diesem Datum noch kein Kameradschaftsheim errichtet haben, müssen von den Rektoren der Universitäten suspendiert werden.

12. 01. 1935

Der Verbandsführer des "Miltenberger Rings" Staatssekretär Lammers, Chef der Staatskanzlei Hitlers, gründet die Gemeinschaft studentischer Verbände" (GStV) als Dachverband für alle Korporationsverbände, um noch einen Rest an Eigenständigkeit für die Korporationen zu erhalten. Die GStV wird von Hitler und vom NSDStB als alleinige Vertreterin der studentischen Verbände anerkannt. Die weltanschauliche und politische Schulung der Studenten obliegt aber alleine dem NSDStB.

Frühjahr 1935

Reichsjugendführer Baldur von Schirach verbietet den Angehörigen der Hitler- jugend (HJ), in eine studentische Korporation einzutreten.

28. 03. 1935

Der Kartellverband der katholischen Verbindungen (KV) tritt der Gemeinschaft der studentischen Verbände (GStV) bei.

10. 05. 1935

An der Beerdigung von AH Dr. Wilhelm Lellmann in Breslau nimmt eine große Zahl von Aktiven und Alten Herren teil. Es chargieren Alania und Zollern.

SS 1935

Alania feiert das 30. Stiftungsfest in kleinem Rahmen.

15. 07. 1935

Eine große Besprechung in der Reichskanzlei, an der Hitler, sein Stellvertreter Rudolf Heß und dessen Stabschef Martin Bohrmann, sowie Dr. Ley als Organisationsleiter der NSDAP, Albert Derichsweiler (CV) als Leiter des NSDStB, Heinrich Lammers als Führer der GStV und Dr. Wagner als Beauftragter der NSDAP für Hochschulfragen teilnehmen, kommt zu dem Ergebnis, dass in den Korporationen keine nationalsozialistische Erziehungs- arbeit geleistet werden kann. Diese Feststellung besiegelt praktisch das Ende der Korporationen.

20. 11. 1935

Auf Druck der NSDAP beschließt in Hannover der Kartellverband der katholischen Verbindungen (KV) die Auflösung des Verbandes.

14. 05. 1936

Ein Erlass von Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß verbietet allen Studenten die Mitgliedschaft in einer Korporation. Gleichzeitig wird bestimmt, dass jeder Student der Partei oder einer ihrer Gliederungen angehören muss.

16.-18.05. 1936

Das 31. Stiftungsfest soll in einfacher Form begangen werden.

Der Erlass vom 14.05.1936 bedeutet jedoch das Ende für alle Studentenverbindungen. Daraufhin verständigen sich die drei Vereine der D.B.V. Alania, ihre Aktivitates aufzulösen.

17. 05. 1936

Der Generalconvent des 31. Stiftungsfestes der Alania beschließt die Auflösung der D.B.V. Alania, um das Vermögen vor dem Zugriff der Gestapo zu retten.
Dazu schreibt später Alfred Dorn : "Über alle Dinge von Wert wird eine Bestimmung getroffen. Die geliehenen Möbel und Bücher werden den Spendern zurückgegeben. Der Rest wird billig verkauft. Das nicht unansehn- liche Vermögen wird an bedürftige Aktive verteilt."

Am gleichen Abend versammeln sich die Alten Herren und die Aktiven zu ihrem letzten Kommers. Für die Altherrenschaft hält Dr. Machon (Aln) die Abschiedsrede. Rudolf Stenzel vermerkt in seinen Aufzeichnungen, dass der damalige Korporationsführer, Kb Dr. med. Georg Kindler (Fr-S) diesen letzten Konvent leitet und die Abschiedsworte für die Aktivitas spricht.
Nach einem letzten Salamander, und nachdem der Alanenmarsch verklungen ist, schlägt er den Kommers mit den Worten "Fuit Alania" (Alania ist gewesen) unter den Tisch.

05. 07. 1936

Im Kameradschaftsheim in der Altbüßerstraße 10/12 kommen 10 Alte Herren zusammen, um den "Bund ehemaliger Alanen" zu gründen. Unter dem Alterspräsidium von August Zwiener wird Josef Machon (Aln) zum Vorsitzenden gewählt. Die Alten Herren Karl Kaiszik (Zo) und Karl Pohl (Aln) bilden den weiteren Vorstand.

12. 12. 1937

Unter der Leitung von Josef Machon treffen sich zahlreiche Alte Herren zu einer Weihnachtsfeier in der Weinhandlung von Hansen in Breslau.

20. 06. 1938

Auflösung des "Bundes ehemaliger Alanen".
In einem Erlass, der sich auf den § 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. 02. 1933 bezieht, verfügt der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, mit sofortiger Wirkung die Auflösung der katholischen Studenten- und Akademikerverbände und ihrer Untergliederungen.

Damit sind auch die Zusammenkünfte der Altherrenschaft als ehemaliger KVer verboten.
Die Gestapo beschlagnahmt die Kameradschaftshäuser samt Inventar. Bei Alania findet sie nur die Fahne und den Wichs. Beides wird auf die Feste Marienberg nach Würzburg gebracht, denn dort soll ein Museum für studentisches Brauchtum entstehen.

1939-1945

Zweiter Weltkrieg - Flucht und Vertreibung der meisten Alanen aus der schlesischen Heimat. Von den 187 namentlich bekannten Mitgliedern des Vereins vor der Auflösung im Jahre 1936 sind 61 im Krieg gefallen oder Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden, bei der Vertreibung ums Leben gekommen oder an den Kriegsfolgen gestorben.

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